FESTIGKEITSKLASSE · C35/45

C35/45: höhere Festigkeit verlangt ein abgestimmtes Materialsystem

Bei C35/45 wird der Wasserhaushalt enger, die Wirkung von Zusatzmitteln wichtiger und ein unnötig hoher Bindemittelgehalt schneller zum Nachteil. Ziel ist nicht „möglichst reich“, sondern technisch wirksam und reproduzierbar.

C35/45 vorbemessen
Nachbehandlung schützt Feuchte und Temperatur des jungen Betons
Die berechnete Zusammensetzung kann ihre Leistung nur entwickeln, wenn der junge Beton ausreichend nachbehandelt und thermisch beherrscht wird.

Mehr Zement ist nicht die einzige Stellschraube

Eine einfache Erhöhung des Zementgehalts kann zwar Festigkeitsreserven schaffen, sie erhöht aber zugleich Leimvolumen, Hydratationswärme, Kosten und häufig die Schwindneigung. Bei C35/45 lohnt es sich deshalb besonders, zuerst den Wasserbedarf und die Packung der Gesteinskörnung zu verbessern.

Eine günstig abgestufte Kornzusammensetzung kann denselben Verarbeitbarkeitsbereich mit weniger überschüssigem Leim erreichen. Dadurch wird das Bindemittel dort eingesetzt, wo es für Festigkeit und Dauerhaftigkeit gebraucht wird, statt Lücken einer schlechten Sieblinie zu kompensieren.

Zusatzmittel müssen mit dem realen Zement funktionieren

Fließmittel und andere wasserreduzierende Zusatzmittel ermöglichen niedrige w/z-Werte bei brauchbarer Konsistenz. Die erreichbare Wasserreduktion ist jedoch kein fixer Produktwert. Zementchemie, Zusatzstoffe, Temperatur, Dosierung und Mischreihenfolge beeinflussen die Wirkung.

In der Erstprüfung sollte daher nicht nur der Anfangsausbreit- oder Setzmaßwert betrachtet werden. Ebenso wichtig sind Konsistenzhaltung, Verzögerung, Luftgehalt und mögliche Klebrigkeit. Eine höhere Dosierung ist nicht automatisch besser, wenn die zusätzliche Wirkung gering wird oder unerwünschte Nebeneffekte auftreten.

Frühverhalten kann bei höherem Bindemittelgehalt kritisch werden

Bei massigeren oder stark behinderten Bauteilen kann die Temperaturentwicklung wichtiger werden. Hohe Bindemittelgehalte und schnell reagierende Systeme erzeugen Wärme; Temperaturunterschiede zwischen Kern und Oberfläche können Zwängungen verstärken.

Auch autogenes und Trocknungsschwinden sollten nicht aus dem Blick geraten. Ein Beton mit sehr niedrigem w/z-Wert und hohem Leimanteil kann empfindlich auf unzureichende Nachbehandlung reagieren. Die Wahl des Bindemittels, die Einbautemperatur und die geplante Nachbehandlung gehören deshalb zur Mischungsbewertung.

Gesteinskörnung beeinflusst den Wirkungsgrad der Mischung

Mit steigender Festigkeit gewinnt die Qualität der Gesteinskörnung an Bedeutung. Kornform, Sauberkeit, Festigkeit und Steifigkeit wirken sich auf Wasserbedarf, Verformung und Bruchbild aus. Besonders kantige oder ungünstig abgestufte Körnungen können viel Leim verlangen und die Mischung unnötig viskos machen.

Eine Erstprüfung sollte deshalb mit der tatsächlich vorgesehenen Gesteinskörnung durchgeführt werden. Ein erfolgreiches Rezept eines anderen Werks lässt sich nicht zuverlässig übertragen, wenn Herkunft und Sieblinie unterschiedlich sind.

Prüfplan für C35/45

Optimierung heißt mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen

Ein niedrigerer w/z-Wert verbessert das Festigkeitspotenzial, kann aber die Verarbeitbarkeit erschweren. Mehr Leim kann die Förderung erleichtern, aber Wärme und Schwinden erhöhen. Zusatzstoffe können den Klinkeranteil senken, gleichzeitig aber das Frühfestigkeits- und Nachbehandlungsverhalten verändern. Eine gute C35/45-Mischung findet ein belastbares Gleichgewicht.